Interview mit Guido Lübeck, Projektleiter Logistik bei GEHE

Welche Anforderungen ergeben sich aus den am 9. Februar in Kraft tretenden FMD Richtlinien speziell für den Großhandel? Wir sprachen mit Guido Lübeck, Projektleiter Logistik bei der GEHE Pharma Handel, zu dem Thema.

Guido Luebeck 460

"Arzneimittelsicherheit hat bei GEHE oberste Priorität"

BD Rowa: Herr Lübeck, aus der Verordnung (EU) 2016/161 geht hervor, dass der pharmazeutische Großhandel zukünftig verpflichtet ist, verifizierungspflichtige Arzneimittel risikobasiert auf ihre Echtheit zu prüfen. Was bedeutet das genau für Sie als Großhändler?

 

Guido Lübeck: Die Verordnung sieht vor, dass alle Rückgaben aus Apotheken und anderen Großhandlungen sowie alle Arzneimittel, die nicht vom pharmazeutischen Hersteller oder einem beauftragten Großhandel geliefert wurden, künftig von uns verifiziert werden müssen. Zusätzlich dazu müssen wir jedes Arzneimittel auf seine Echtheit prüfen und anschließend deaktivieren, wenn es nicht wieder in den Verkauf zurückgeht bzw. vernichtet werden muss. Daneben müssen wir für bestimmte Kundengruppen wie z.B. Behörden auch die Abmeldung des Produktes aus der Datenbank vornehmen, da diese Kunden normalerweise keinen Anschluss an das deutsche securPharm-System haben. Auch wenn es sich aktuell überwiegend auf Rx-Produkte bezieht, bedeutet das einen organisatorischen Mehraufwand für uns, den wir mit vorhandenen Ressourcen abbilden müssen.

 

BD Rowa: Wie haben Sie sich bei GEHE auf dieses Thema vorbereitet um, weiterhin effizient zu bleiben und nicht an Produktivität zu verlieren?

 

Guido Lübeck: Das Thema Arzneimittelsicherheit hat bei GEHE oberste Priorität. Im Rahmen der GDP-Leitlinien, die 2013 in Kraft getreten sind, sind wir bereits mit einem höheren Dokumentationsaufwand im Rahmen der Qualitätssicherung konfrontiert gewesen. Aus dieser Erfahrung und vor dem Hintergrund der am 9. Februar in Kraft tretenden FMD-Richtlinie haben wir schon vor einigen Jahren angefangen, unsere Prozesse umzustellen. Unter anderem haben wir auf eine vermehrte Automatisierungsquote im Bereich Lager und Kommissionierung gesetzt. Die Verwaltung unserer Mittel-und Langsamdreher sowie teilweise Kühlartikel organisieren wir mittlerweile über die Kommissionierautomaten der Firma BD Rowa. Das ist eine enorme Arbeitserleichterung für uns.

 

BD Rowa: Und worin genau besteht hier die Arbeitserleichterung für Sie?

 

Guido Lübeck: Bislang war die Chargenweitergabe nur für spezielle Arzneimittel bzw. an bestimmte Kundenarten gesetzlich gefordert. Ab dem 9. Februar ist dies für beinahe alle Rx-Artikel verpflichtend. Mit dem Rowa System ist der Aufwand für die Erfassung von Chargenbezeichnung und Serialnummer quasi gleich Null. Das System erfasst bei der Einlagerung über den Scanner die im 2D DataMatrix-Code enthaltenen Informationen und sendet diese an das Warenwirtschaftssystem. Bei der Auslagerung werden diese Informationen mittels einer Echtzeitschnittstelle den Aufträgen in der Warenwirtschaft zugeordnet. Damit können wir zu jeder Zeit eine lückenlose Dokumentation vorweisen und die Packung über die aktuellen gesetzlichen Forderungen hinaus bei Bedarf sogar bis hin zur Seriennummer verfolgen.

 

BD Rowa: Hat sich Ihr Lagerverhalten durch den Einsatz von Rowa damit verändert?

 

Guido Lübeck: Wir lagern nun bewusst vermehrt Rx-Artikel in das Rowa System ein, um den manuellen Aufwand so gering wie möglich zu halten. Wir sehen es ganz deutlich an unseren anderen Lagerbereichen wie z.B. den Schnelldrehern, hier ist die Chargenverfolgung deutlich zeitaufwändiger. Wir werden das weiter beobachten und ggf. entscheiden, wie wir unser Lagerdesign mit Hilfe von Rowa weiter optimieren können.

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